Journalistenwerkstatt „Digitale Sicherheit“

Journalistenwerkstatt „Digitale Sicherheit“

Ich durfte im Werkstattbericht von Florian Sturm zum Thema «Digitale Sicherheit von Journalist:innen» prominent zu Wort kommen.

Hier einige Auszüge aus dem Text:

Digitale Sicherheit ist längst kein Randthema mehr, sondern betrifft alle, die journalistisch arbeiten. Angriffe passieren heute vor allem im digitalen Raum: über kompromittierte E-Mail-Konten, infizierte Geräte, Phishing oder gezielte Überwachung. Wer hier unvorbereitet ist, riskiert nicht nur Daten oder Geld, sondern Recherchen, Quellen und Vertrauen.

Die Journalistenwerkstatt „Digitale Sicherheit“ von Florian Sturm zeigt, wie sich die Bedrohungslage in den vergangenen Jahren verändert hat – und warum digitale Hygiene heute so selbstverständlich sein muss wie der Faktencheck. Sie macht deutlich: Digitale Sicherheit ist kein Zustand, sondern ein Prozess, der zum journalistischen Alltag gehört.

Im journalistischen Alltag herrscht oft enormer Zeitdruck, für „zusätzliche“ Sicherheit scheint kaum Raum zu sein. Doch digitale Angriffe kommen meist ohne Vorwarnung – und genau deshalb muss digitale Sicherheit ein fester Bestandteil der täglichen Arbeit sein. Die folgenden sechs praxisnahen Ansätze zeigen, wie sich ein funktionierendes Schutzschild aufbauen lässt: 

1. Redaktionskultur statt Einzelverantwortung

In vielen Redaktionen fehlt ein klarer, für alle verbindlicher Rahmen für digitale Sicherheit. Stattdessen wird sie oft von Einzelpersonen verantwortet. Da jede Recherche individuell ist, sei das in gewissem Maße auch gut so, sagt Adrienne Fichter, Investigativ- und Tech-Reporterin bei „Republik“ (Zürich). Trotzdem brauche es Mindeststandards, etwa die Zwei-Faktor-Authentifizierung oder die Nutzung von Passwortmanagern und sicheren Messengern. „Wir haben redaktionsintern verbindliche Leitlinien, die allen helfen, unsere Daten und unsere Kontakte zu schützen“, sagt Fichter.

2. Risikobewertung

Digitale Sicherheit beginnt mit der Frage: Wovor will ich mich schützen? Nur mit einer bedrohungsbasierten Einschätzung („Threat Modeling“) lassen sich sinnvolle Maßnahmen ableiten. Vier Fragen helfen dabei:

– Was will ich schützen?
– Wer könnte mich angreifen?
– Wie realistisch ist dieser Angriff?
– Welche Folgen hätte er?

4. Gerätesicherung im Alltag

Unsere Geräte sind oft der direkteste Angriffspunkt – sei es durch Diebstahl, infizierte Dateien oder Überwachungstools. Regelmäßige Updates und Festplattenverschlüsselung sollten Pflicht sein. Besonderes Augenmerk gilt dem Smartphone. Es speichert meist mehr Kommunikation als jeder Laptop.

Nützliche Sofortmaßnahmen: Bildschirm sperren, Biometrie deaktivieren sowie Standort- und drahtlose Übertragungsdienste nur selektiv aktivieren. „Republik“-Reporterin Fichter geht noch einen Schritt weiter. Sie arbeitet mit GrapheneOS, einem speziellen Android-Betriebssystem, das besonders wenig über den Nutzer verrät: „Damit möchte ich mich vor allem gegen Staatstrojaner wappnen und biete so meinen Quellen einen viel besseren technischen Schutz.“

Hier der ganze Text:

https://www.newsroom.de/news/aktuelle-meldungen/vermischtes-3/sechs-schritte-zu-mehr-digitaler-sicherheit-im-journalismus-977107

    Weitere Beiträge

    Ich habe die NZZ-Mediengruppe angezeigt wegen fehlender Information nach dem Cyberhack 2023. Was danach geschehen ist. (Spoiler: nicht so viel)

    In diesem Beitrag geht es um einen alten Fall: um die Cyberattacke der Ransomware-Gruppe Play gegen die NZZ-Mediengruppe und auch um das Medienhaus CH Media im März 2023. Konkret um die juristische Aufarbeitung dieses Falls. Denn es ist ein trauriges Lehrstück darüber, wie windige Anwälte die milden Bestimmungen im Datenschutzrecht

    Weiterlesen

    Die Cyber-Spezialisten des Bundes kehren Microsoft den Rücken

    tl,dr: Nach dem Internationalen Strafgerichtshof steigt auch das «Kommando Cyber» der CH-Armee komplett auf die Open Source-Alternative «Open Desk» um. Bereits bis Oktober 2026 sind die neuen Arbeitsplätze eingerichtet.Die Bundeskanzlei hat diese Informationen auf Anfrage der Republik bestätigt. Und auch öffentlich hat sich das Kommando Cyber bereits dazu geäussert. Wer

    Weiterlesen

    Surprise, surprise: Die Einführung der eID verschiebt sich

    Nun bewahrheitet sich, was ich schon geschrieben habe: Die eID kommt nicht mehr 2026…sondern im ersten Halbjahr 2027. Ich verstehe den Frust bei Allen, die beim eCollecting (Unterschriftensammelung für Volksinitiativen und Referenden) vorwärts machen wollen. Sich für digitale Barrierefreiheit einsetzen (die ist bei diesem Projekt von Anfang an mitgedacht). Oder

    Weiterlesen

    Schrems III in the making

    Das Supreme Court hat im Sinne Trumps entschieden… Am Montag entschied der Oberste Gerichtshof der USA in der Rechtssache „Trump gegen Slaughter“, dass die US-amerikanische Federal Trade Commission („FTC“) nicht mehr unabhängig sein darf. Die Datenschutzorganisation noyb (None Of Your Business) schreibt: «Die EU wiederum hat sich in ihrer Entscheidung

    Weiterlesen

    Do we need social media ‘made in Europe’?

    New social networks from Europe, such as W Social and Eurosky, aim to do everything better: no bots, no disinformation and only European technology. But do they deliver a better digital future for us? Note: my original article is written in german (I translated with deepl.com Pro and made a

    Weiterlesen

    Braucht es Social Media «made in Europe»?

    Neue soziale Netzwerke aus Europa wie W Social und Eurosky wollen alles besser machen: keine Bots, keine Desinformation und nur europäische Technologie. Doch was taugen sie wirklich? Eines der Themen, die Brüssel schon lange beschäftigen, ist die digitale Abhängigkeit – und damit Erpressbarkeit Europas. Sensible Gesundheits­informationen, Universitäts­akten und viele weitere Daten

    Weiterlesen