Amazon gibt auf

Amazon gibt auf

Der US-Tech-Konzern zieht seine Beschwerde im Rechts­streit gegen die Republik und die Bundes­kanzlei zurück. Der Widerstand gegen die Veröffentlichung von Verträgen kostete die Steuer­zahler eine Viertel­million Franken.

Was hat Amazon alles an Argumenten ins Feld geführt, damit dieser Vertrag nicht an die Öffentlichkeit gelangt? Die Wirtschafts­freiheit sei gefährdet, die Privat­sphäre der Mitarbeiterinnen in Gefahr – und bereits das Inhalts­verzeichnis des Dokuments sei Geschäfts­geheimnis.

Die Rede ist vom Rahmenvertrag, den der Tech-Konzern von Jeff Bezos seit 2021 mit der Schweizer Bundes­verwaltung unterhält. Damals vergab die Bundes­kanzlei die Aufträge zum Unterhalt von Cloud-Anwendungen für die Verwaltung an den chinesischen Konzern Alibaba sowie an die US-Unter­nehmen Microsoft, IBM, Oracle und eben Amazon. Ein Aufschrei ging durch Politik und Medien.

Sensible Daten von Schweizer Bürgerinnen, die via Cloud womöglich in den Händen amerikanischer (und chinesischer) Straf­verfolger und Geheim­dienste landen? Die Bundes­kanzlei geriet in Erklärungs­not – auch deshalb, weil die Republik aufdeckte, dass die Ausschreibung gezielt auf sogenannte Hyperscaler aus den USA ausgerichtet war. Über Rechen­zentren auf drei Kontinenten – eine zentrale Voraus­setzung für den Zuschlag – verfügten damals nämlich nur die wenigsten europäischen Cloud-Anbieterinnen.

Der Bund beschwichtigte. Man habe datenschutz­freundliche Verträge ausgehandelt, und gemäss den «Cloud-Prinzipien der Bundes­verwaltung» sollten grund­sätzlich keine schützens­werten Personen­daten in amerikanischen Rechen­zentren landen.

Mehrere Jahre später zeigte sich allerdings: Die Bundes­ämter nutzen die Clouds der amerikanischen und chinesischen Anbieter nur zaghaft. Kein Wunder: Sie sind verunsichert, weil sie selbst für den Daten­schutz bei ihren Projekten verantwortlich sind.

Hinzu kommt, dass die Ämter «nur» mit Microsoft und Amazon zusammen­arbeiten wollen. So laufen zurzeit Zoll-Apps auf der Cloud von Amazon und das Organspende­register auf der Microsoft-Cloud. Und sie werden noch eine Weile dort bleiben. Der Grund: Die vom Bundes­amt für Informatik und Tele­kommunikation geplante grosse Swiss Government Cloud ist noch nirgends; es gab noch nicht einmal eine Ausschreibung dafür. Damit Anwendungen wie die Zoll-Apps nicht plötzlich abgeschaltet werden, hat die Bundes­kanzlei die Rahmen­verträge mit den amerikanischen und chinesischen Konzernen nochmals um 5 Jahre verlängert.

Von den vorgesehenen 110 Millionen Franken sind insgesamt erst 61 Millionen «reserviert» – Jargon für eine Art Vorbuchung – und 8,2 Millionen Franken an Cloud-Dienst­leistungen genutzt worden, wie interne Unter­lagen zeigen, die der Republik vorliegen. Das bedeutet auch: Die Ämter können noch viele Cloud-Dienst­leistungen vom bereits gesprochenen Budget buchen.

Umso wichtiger ist es für die Öffentlichkeit und die Schweizer Bevölkerung, zu erfahren, was genau in den Rahmen­verträgen zwischen Bund und Big-Tech-Konzernen steht.

Gestützt auf das Öffentlichkeits­gesetz des Bundes hat die Republik deshalb bereits vor drei Jahren die Heraus­gabe der Verträge verlangt. Und weil die Konzerne dagegen opponierten, ist sie bis vor das Bundes­verwaltungs­gericht gezogen. Nach dem Gesuch der Republik verhandelte die Bundes­kanzlei fast ein Jahr mit den Konzern­juristen über verschiedene Details.

Mehr dazu: https://www.republik.ch/2026/03/23/amazon-gibt-auf

Weitere Beiträge

Will ‘Made in China’ AI regulation soon go global?

China is forging ahead in the field of global AI governance – and is outpacing the EU. But there is still hope for Europe. (note the original article is written in german. I made a translation with the help of deepl.com Pro and added only a few edits for clarification).

Weiterlesen

Wird KI-Regulierung «made in China» bald global?

China prescht in Sachen globaler KI-Governance vor – und läuft der EU den Rang ab. Doch es gibt noch Hoffnung für Europa. Mit den Hitzewellen zeichnet sich nicht nur ein bevor­stehender Konflikt um Wasser­ressourcen ab – zwischen Rechen­zentren, Kraftwerken und Menschen. Unterdessen brechen KI-Systeme sogar aus Test­umgebungen aus, nutzen Sicherheits­lücken aus

Weiterlesen

Schweizer WEKO leitet Untersuchung gegen Google ein- die Hintergründe dazu

Die Schweizerische Wettbewerbskommission leitet eine Untersuchung ein gegen Google. Die Mitteilung dazu: «Vor kurzem hat Google diese Funktion in der Schweiz abgeschafft, während sie im Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) weiterhin verfügbar ist. Dadurch wird für Nutzende in der Schweiz standardmässig die Suchmaschine Google Search festgelegt, ohne dass ihnen bei der Ersteinrichtung

Weiterlesen

Ich habe die NZZ-Mediengruppe angezeigt wegen fehlender Information nach dem Cyberhack 2023. Was danach geschehen ist. (Spoiler: nicht so viel)

In diesem Beitrag geht es um einen alten Fall: um die Cyberattacke der Ransomware-Gruppe Play gegen die NZZ-Mediengruppe und auch um das Medienhaus CH Media im März 2023. Konkret um die juristische Aufarbeitung dieses Falls. Denn es ist ein trauriges Lehrstück darüber, wie windige Anwälte die milden Bestimmungen im Datenschutzrecht

Weiterlesen

Die Cyber-Spezialisten des Bundes kehren Microsoft den Rücken

tl,dr: Nach dem Internationalen Strafgerichtshof steigt auch das «Kommando Cyber» der CH-Armee komplett auf die Open Source-Alternative «Open Desk» um. Bereits bis Oktober 2026 sind die neuen Arbeitsplätze eingerichtet.Die Bundeskanzlei hat diese Informationen auf Anfrage der Republik bestätigt. Und auch öffentlich hat sich das Kommando Cyber bereits dazu geäussert. Wer

Weiterlesen