Die europäische Finanzbranche hat Milliarden in den US-Tech-Konzern Palantir investiert, dessen Produkte auch für völkerrechtswidrige Kriege eingesetzt werden. Nun ist klar: Zu den Aktionären gehören auch die UBS, die ZKB und die Schweizerische Nationalbank.
von Yves Wegelin und mir
Kaum ein US-Tech-Konzern unterstützt Donald Trump so offen beim autoritären Umbau der Demokratie wie Palantir. Die Firma, deren CEO Alex Karp den US-Präsidenten «bewundert», liefert der Regierung Software für Polizei, Geheimdienst und Militär – inklusive Überwachungstechnologie für die maskierten ICE-Polizisten, die auf offener Strasse Jagd auf Migrantinnen machen. Palantir kooperiert auch mit der israelischen Armee, der Völkerrechtsexperten im Gazastreifen Kriegsverbrechen und Genozid vorwerfen. Ja, die Palantir-Software töte auch in Gaza, räumte Karp 2025 ein, um lapidar anzufügen: «Meistens Terroristen».
Amnesty International kritisiert schon lange, dass Palantir mit seiner Software in Menschenrechtsverletzungen verwickelt ist. Und die NGO ist damit nicht allein: Die Palantir-Systeme, sagte ein Ex-Mitarbeiter der Firma im «Guardian», raubten den schutzbedürftigsten Menschen wie politischen Dissidentinnen, Migranten oder den Bewohnerinnen des Gazastreifens ihre Menschenrechte. In einem Ranking, das der Republik vorliegt, verlieh der mächtige US-Finanzdienstleister MSCI Palantir Ende 2025 in Sachen Menschenrechte auf einer Skala von 1 bis zur Bestnote 10 eine 2.
Einige Investoren, etwa der norwegische Vermögensverwalter Storebrand, haben ihre Palantir-Beteiligungen deshalb verkauft.
Insgesamt haben jedoch europäische Investorinnen ihre Anteile an Palantir 2025 trotz allem massiv erhöht. Das zeigt eine gemeinsame Recherche der Republik mit dem Investigativ-Portal «Follow the Money» und weiteren europäischen Medien. Dafür wurde die Datenbank der US-Börsenaufsicht systematisch auf Beteiligungen am Tech-Konzern durchforstet. Berücksichtigt wurden institutionelle Investoren wie Versicherungen, Pensionskassen oder Banken in 19 europäischen Ländern.
Diese grossen institutionellen Investorinnen haben ihre Anzahl an Palantir-Aktien 2025 von 94 auf 157 Millionen erhöht – ein Plus von 67 Prozent. Ende Jahr hielten sie Anteile im Wert von 28 Milliarden Dollar. Tatsächlich dürfte der Wert gar höher liegen: Europäische Investitionen etwa, die über US-Vermögensverwalter wie Blackrock geschehen, erscheinen bei der amerikanischen Börsenaufsicht nicht als solche.
Die Schweizer Investoren nehmen dabei einen Spitzenplatz ein. Sie hielten Ende 2025 Aktien im Wert von 3,1 Milliarden Dollar, rund 1,6 Prozent des Gesamtwerts des Unternehmens. Damit liegt die Schweiz nach Grossbritannien, Norwegen und Frankreich auf Platz vier.
Die UBS ist grosse Investorin
Am meisten Geld in Palantir investiert hat in der Schweiz die UBS. Ende 2025 hielt sie Aktien im Wert von fast 1,2 Milliarden Dollar. Damit ist die Schweizer Grossbank auch die sechstgrösste Palantir-Investorin Europas. Vor der UBS liegen etwa die norwegische Zentralbank, Barclays oder die Deutsche Bank.
Zwar hatte die UBS Ende 2024 noch fast doppelt so viele Aktien besessen wie Ende 2025. Doch während der Mutterkonzern letztes Jahr Aktien verkauft hat, kaufte eine US-Auslandtochter der Grossbank – die aufgrund ihres Sitzes in der Recherche nicht berücksichtigt wurde – fast gleich viele Palantir-Aktien hinzu.
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