US-Lobbyist attackiert die Bundes­kanzlei

US-Lobbyist attackiert die Bundes­kanzlei

Eine weitere Streisand-Posse: Der Herr Berater der Swiss-American Chamber of Commerce, über den ich bei der Republik.ch bereits geschrieben habe, hat nicht nur bei Kantonen und Städten angeklopft. Sondern bei den Geschäftsprüfungskommissionen des Bundesparlaments GPK.

In einem Schreiben greift er die Bundeskanzlei an, weil diese eine Weisung für mehr «digitale Souveränität» erlassen hat im Dezember 2025. Hintergrund: Die Bundesämter müssen gemäss einer Checkliste bei neuen Projekten jeweils Auswirkungen einschätzen, wie die sich das auf digitale Unabhängigkeit auswirkt.

Doch das passte dem Berater offenbar nicht.

In einer «Dringlichen Aufsichtseingabe» forderte er die GPK dazu auf, diese solle das Treiben der Bundes­kanzlei sofort unter­suchen und die Behörde zurück­binden. Für ihn sei «digitale Souveränität» ein politischer Kampfbegriff.

Eine beispiellose Einmischung eines US-Lobbyisten in die Digitalpolitik eines souveränen Nationalstaats.

Die Swiss AmCham behauptet auf Anfrage, dass die Interventionen ihres Beraters nichts mit der Kammer zu tun habe.

Ah erreicht hat er übrigens das Gegenteil damit:

Zwar wollen die Kommissionen das Schreiben nicht offiziell kommentieren. Doch die aggressive Einmischung eines US-Lobbyisten kommt in Bern gar nicht gut an, wie aus Gesprächen mit Politikern hervorgeht.

Statt dass das Thema «digitale Souveränität» von der politischen Agenda gestrichen wird, sorgt er dafür, dass es noch weiter nach vorn rückt.

Den ganzen Text gibt es hier zu lesen: https://www.republik.ch/2026/02/27/us-lobbyist-attackiert-die-bundeskanzlei

Passender Kontext dazu:

Golem.de schreibt: US-amerikanische Diplomaten sollen sich gegen die Bestrebungen anderer Staaten einsetzen, ihre Datennutzung stärker zu lokalisieren – und damit den Datentransfer in die USA einzuschränken. Das berichtet die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf ein Rundschreiben des US-Außenministeriums, das von Außenminister Marco Rubio unterzeichnet wurde.

Was machen jetzt nun die Hyperscaler mit all ihren Souveränitätsinitiativen (airgapped cloud, lokale Datenzentren in Europa, und Schlüsselhoheit bei den Kunden?)?!

Schliesslich müssen jetzt die US-Diplomaten gegen Forderungen der europäischen Regierungskunden zur lokalen Datenhaltung vorgehen… also gegen das, womit alle Kantonsregierungen und auch der Bundesrat so prahlen: Dass man so gut verhandelt habe mit Microsoft und Amazon, dass die Datenhaltung auf Schweizer Boden passiere (as if it matters, US surveillance laws don’t care).

Den ganzen Text gibt es hier zu lesen: https://www.golem.de/news/clouddienste-us-diplomaten-sollen-datensouveraenitaet-bekaempfen-2602-205849.html

Weitere Beiträge

Die schlechten Cloud-Rahmenverträge des Bundes

Fragwürdige Haftungsklauseln und wenig Anspruch auf digitale Souveränität: Meine Analyse zeigt, dass die soeben verlängerten Cloud-Rahmenverträge der Bundesverwaltung einfach nur klassische Standardverträge von Hyperscalern sind. 2021 vergab die Bundeskanzlei Aufträge für den Betrieb von Public Cloud-Anwendungen der Bundesverwaltung – an den chinesischen Konzern Alibaba sowie an die US-Firmen Microsoft, IBM,

Weiterlesen

Controversy over security in the digital health record

Today, the National Chamber is about to vote on the Electronic Patient Record Act. The Federal Office of Public Health is refusing to engage in a fundamental technical debate. The digital civic society might push for a referendum. (note: Original article is written in German. Translation via Deepl Pro). If

Weiterlesen

Streit um Sicherheit bei digitalem Gesundheits­dossier

Heute entscheidet der Nationalrat über das Gesetz zur elektronischen Krankenakte. Das BAG verweigert eine technische Grundsatz­diskussion. Deshalb droht nun ein Referendum. Würde man für das Projekt des elektronischen Patienten­dossiers ein eigenes Patienten­dossier anlegen, wäre die Liste der Pathologien lang: ein komplexes Geflecht von verschiedenen Akteuren, Pseudo­wettbewerb, chronisch mangelnde Nachfrage aufgrund fehlender Pflichten

Weiterlesen

Welche Sprachmodelle stecken hinter der neuen «KI» für das Bundesparlament?

Endlich, dachte ich letzte Woche… endlich kriegen die Bundesparlamentarier:innen in Bern eine eigene KI als neues Arbeitstool. Denn dies war überfällig…was hörte ich alles an Geschichten von Nationalrät:innen, die ihre Kommissionsunterlagen auf ChatGPT oder Claude.ai hinaufladen, ihre Texte auf deutsch und französisch übersetzen lassen etc. Alles Kommissionsgeheimnisse, die Medienschaffende auf

Weiterlesen

The creepy comeback of smart glasses

NOTE: Original article was written in german. Translation via Deepl Pro. Smart glasses and facial recognition were already a reality ten years ago. Back then there was a big opposition against those gadgets, politically and socially.. That has changed – which is why these gadgets must be banned. Just a

Weiterlesen