Wie Bundesrat Rösti das neue Plattform­gesetz verwässerte

Wie Bundesrat Rösti das neue Plattform­gesetz verwässerte

Es geht im täglichen Lärm um Grönland und anderen Annexionsphantasien fast unter: Zurzeit läuft aktuell die Vernehmlassung zum neuen Plattformgesetz.

Remember? Das ist das fertige Techregulierungspapier das der Bundesrat aus Angst gegenüber Trump fast ein Jahr lang in der Schublade versteckte (O-Ton Aussenminister Cassis: «es gibt Wichtigeres»). Und letzten Oktober 2025 wieder aus der Schublade hervorholte, da die 39% Zölle sowieso gelten, Tech-Regulierung hin oder her.

Nun habe ich anhand von verschiedenen Dokumenten nachzeichnen können, wie noch vor über 3 Jahren im November 2022 ein anderer Wind wehte bezüglich dem Thema. Sommaruga bereitete verschiedene Optionen vor und sprach sich für einen Mittelweg aus. Heisst: Eine Mischung aus Minimaloption (Transparenz) und einer 1:1-Kopie des Digital Services Act DSA der EU.

Diese Option inkludierte: Engere Zusammenarbeit zwischen Behörden und Plattformen (Rechtsdurchsetzung). Und: Verpflichtung der Tech-Firmen gegen die Plattformrisiken etwas zu unternehmen.

Was tat Rösti gleich nach Amtsantritt 2023? Ein absolutes Downgrade zur Minimalregulierung, nicht mal die Risikobewertung war mehr drin. Nach einer ersten Ämterkonsultation wurde dieses etwas verbessert. Aber trotzdem: im Vergleich zum Original handelt es sich höchstens um einen DSA «light».

Es zeigt sich: das Rezept für alle Probleme der Digitalisierung heisst bei Rösti «Mehr Transparenz» und «Eigenverantwortung der Nutzer» heisst. Sei es bei KI-Themen oder eben bei Plattformen. Ja keine oder wenig Pflichten für Meta & Co.

Doch ein Beipackzettel verhindert nicht, dass diese Systeme und Plattformen weiterhin gesellschaftsschädigend sein können.

Und digitale Gewalt anwenden, wie man am Beispiel DeepFake-Nacktbilder von Frauen bei X.com gerade sieht.

Und: an der Hauptquelle des Geschäftsmodells – die personalisierte, manipulative, datenausbeuterische Werbung- möchte der Bundesrat weiterhin nicht rütteln. Ganz im Gegensatz zur EU.

Die Vernehmlassung dauert noch bis 16. Februar.

Der Text bei republik.ch: https://www.republik.ch/2026/01/20/wie-bundesrat-roesti-das-neue-plattformgesetz-verwaesserte

Weitere Beiträge

Ich habe die NZZ-Mediengruppe angezeigt wegen fehlender Information nach dem Cyberhack 2023. Was danach geschehen ist. (Spoiler: nicht so viel)

In diesem Beitrag geht es um einen alten Fall: um die Cyberattacke der Ransomware-Gruppe Play gegen die NZZ-Mediengruppe und auch um das Medienhaus CH Media im März 2023. Konkret um die juristische Aufarbeitung dieses Falls. Denn es ist ein trauriges Lehrstück darüber, wie windige Anwälte die milden Bestimmungen im Datenschutzrecht

Weiterlesen

Die Cyber-Spezialisten des Bundes kehren Microsoft den Rücken

tl,dr: Nach dem Internationalen Strafgerichtshof steigt auch das «Kommando Cyber» der CH-Armee komplett auf die Open Source-Alternative «Open Desk» um. Bereits bis Oktober 2026 sind die neuen Arbeitsplätze eingerichtet.Die Bundeskanzlei hat diese Informationen auf Anfrage der Republik bestätigt. Und auch öffentlich hat sich das Kommando Cyber bereits dazu geäussert. Wer

Weiterlesen

Surprise, surprise: Die Einführung der eID verschiebt sich

Nun bewahrheitet sich, was ich schon geschrieben habe: Die eID kommt nicht mehr 2026…sondern im ersten Halbjahr 2027. Ich verstehe den Frust bei Allen, die beim eCollecting (Unterschriftensammelung für Volksinitiativen und Referenden) vorwärts machen wollen. Sich für digitale Barrierefreiheit einsetzen (die ist bei diesem Projekt von Anfang an mitgedacht). Oder

Weiterlesen

Schrems III in the making

Das Supreme Court hat im Sinne Trumps entschieden… Am Montag entschied der Oberste Gerichtshof der USA in der Rechtssache „Trump gegen Slaughter“, dass die US-amerikanische Federal Trade Commission („FTC“) nicht mehr unabhängig sein darf. Die Datenschutzorganisation noyb (None Of Your Business) schreibt: «Die EU wiederum hat sich in ihrer Entscheidung

Weiterlesen

Do we need social media ‘made in Europe’?

New social networks from Europe, such as W Social and Eurosky, aim to do everything better: no bots, no disinformation and only European technology. But do they deliver a better digital future for us? Note: my original article is written in german (I translated with deepl.com Pro and made a

Weiterlesen

Braucht es Social Media «made in Europe»?

Neue soziale Netzwerke aus Europa wie W Social und Eurosky wollen alles besser machen: keine Bots, keine Desinformation und nur europäische Technologie. Doch was taugen sie wirklich? Eines der Themen, die Brüssel schon lange beschäftigen, ist die digitale Abhängigkeit – und damit Erpressbarkeit Europas. Sensible Gesundheits­informationen, Universitäts­akten und viele weitere Daten

Weiterlesen